Geschichte der NS-Kinder-„Euthanasie“. Eine Spurensuche in Magdeburg
Dozentinnen: Prof. Dr. Bettina Hitzer, Dr. Dr. Lea Münch (GET)
Kooperationspartner: Landesarchiv Sachsen-Anhalt
Ellen Schulz war sieben Jahre alt, als sie 1937 ihre Pflegefamilie in Magdeburg verlassen musste und in die Landesheilanstalt Uchtspringe gebracht wurde. Dort starb sie 1940. Was war passiert?
Das Mädchen mit Down-Syndrom ist eines von mehreren Tausend Kindern, die nach der nationalsozialistischen Ideologie als „lebensunwertes Leben“ galten und zwischen 1939 und 1945 ermordet wurden. In unserem Wahlfach begeben wir uns gemeinsam auf die Suche nach Spuren von Magdeburger Kindern wie Ellen, die Opfer der nationalsozialistischen Kinder-„Euthanasie“ wurden. So erforschen Sie selbst ein wichtiges Kapitel der hiesigen Lokalgeschichte. Bei einer Exkursion in eine Gedenkstätte setzen wir uns kritisch mit der Rolle der Pädiatrie im Nationalsozialsozialismus auseinander und beschäftigen uns mit gegenwärtigen Formen des Gedenkens an diese NS-Medizinverbrechen. Zudem knüpfen wir an aktuelle Forschungsprojekte an, die ermordete Kinder in den Blick nehmen, die zugleich Opfer von erzwungener medizinischer Forschung wurden.
Ziel des Wahlfaches ist es, in mehreren Recherche- und Schreibworkshops Opferbiographien zu rekonstruieren, die die Lebenswege der Kinder nachzeichnen und auch die Rolle ihrer Familien miteinbeziehen. Dazu besuchen wir das Landesarchiv in Magdeburg und recherchieren dort in historischen Krankenakten, die über die Lebens- und Todesumstände der Kinder Auskunft geben. Auf diese Weise erhalten Sie einen Einblick darin, wie Geschichte erforscht und geschrieben wird. Die so entstandenen Biographien sollen in eine Ausstellung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin integriert werden, die voraussichtlich 2027 in Magdeburg gezeigt wird.
