FACHBEREICH GESCHICHTE, ETHIK UND THEORIE DER MEDIZIN

Geruchsgeschichte  (1)

Die Geruchsgeschichte der Klinik 1800-2025

Waren Sie zu Zeiten der DDR einmal in einer Klinik? Vielleicht als Patientin, Patient, Arzt oder Krankenschwester?

Oder waren Sie, egal, ob in der DDR oder der BRD, im militärischen Kontext oder im humanmedizinischen Einsatz einmal in einem Lazarett? Dann brauche ich Ihre Mitarbeit, denn ich möchte alles über Ihre Eindrücke zum Geruch erfahren.

Wie kaum ein anderer Sinn ist der Geruchssinn gleichzeitig mit Unbehagen und Behagen sowie mit Erinnerungen verflochten. In der Alltagssprache sagen wir noch heute, dass es „uns stinkt“, wenn uns etwas nicht gefällt, und wohl jeder erinnert sich an den Geruch des Mittagessens, wenn man in der Kindheit nach Hause kam. Kranksein und der Geruchssinn sind dabei schon lange miteinander verwoben.

Seit dem Mittelalter war der Geruch auch immer mit dem moralischen Sein eines Menschen verbunden – wer amoralisch war, der roch nicht gut und erkrankte, weil Gott ihn strafte. Noch dazu konnten in der Theorie der Miasmenlehre schlechte Dünste den Menschen krank machen. Dieses Konzept bestand bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts, als Robert Koch die Bakteriologie einführte. Seitdem, so heißt es in der Forschung, gehe man in der Medizin rationell mit den Gerüchen um.

Als um 1800 die ersten Kliniken in Deutschland zu Institutionen der Medizin wurden, hätten die Ärzte sie vornehmlich nach dem Visuellen geordnet. Doch sind diese beiden Paradigmen tragfähig? Tatsächlich bilden Gerüche bis heute ein gewisses Tabu in der Medizin und in der Krankenpflege, über das vor allem Lehrbücher nahezu kaum sprechen. Dabei ist die Klinik voller Gerüche. Es riecht nach allem, wonach ein Mensch riechen kann, nach Medikamenten, Reinigungsmitteln und ganz privaten Gerüchen von Kosmetika. Manche Gerüche davon machten historisch Angst. So galt lange Zeit der Geruch von Jod als unzumutbar und angsteinflößend, gesellschaftlich untragbar.

Reportagen im 20. Jahrhundert, die die Wahrnehmung Pflegender von Geruch thematisierten, lösten größte Empörung in der Gesellschaft aus, denn darüber hatte man weder zu sprechen, noch sich zu ekeln oder sich dazu irgendwie zu verhalten. Kein Zweifel: die Geruchslandschaft hat sich seit 1800 in den Kliniken stark verändert, gewandelt – aber ob sie tatsächlich rationalisiert wurde, ob sie vulnerable und marginalisierte Gruppen neutral rezipiert (man denke an das Tabu der Menstruation oder von Obdachlosigkeit betroffene Menschen), das ist historisch nicht erforscht.

Meine Arbeit fragt einerseits nach der Ordnungsgebung durch den klinischen Geruch und Geruchszuschreibungen an bestimmte Gruppen, anderseits nach den Traditionen, die sich aus der Miasmenlehre bis heute gehalten haben und wissenschaftlich nicht mehr hinterfragt werden. Im Wesentlichen bilden Schriftquellen dafür die Basis. Aber zwei Themenfelder sind dabei schwierig für Historiker zu erreichen: das sind der Geruch von Lazaretten in Deutschland, Österreich und der Schweiz, sowie der Geruch in Kliniken der DDR.

Dafür bin ich auf Ihre Mitarbeit angewiesen. Vielleicht also sind Sie Zeitzeuge, haben einmal einen Aufenthalt in einem Lazarett gehabt oder wurden in einer Klinik irgendwo in der DDR behandelt. Wenn Sie sich an Gerüche, welcher Art auch immer erinnern, würde ich gerne mit Ihnen darüber sprechen und mehr erfahren.

Vielleicht aber auch befindet sich in Ihrem Besitz ein Schriftstück, ein Brief, eine Postkarte, ein Tagebucheintrag oder ein Zeitungsartikel, der das Thema aufgreift. Gerade private Korrespondenz ist für die Forschung schwer zugänglich – und wenn Sie sagen: „Oh, genau darüber hat mein Verwandter sich einmal beklagt oder das beschrieben.“, dann bitte ich Sie, mit mir in Kontakt zu treten.

Letzte Änderung: 11.05.2026 - Ansprechpartner:

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